Let´s go Myanmar – März – Verbrannte Erde

Let´s go Myanmar – März – Verbrannte Erde

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März-Bild: Nördlich von Hsipaw

„Ich kann nicht mehr! Ich mag nicht mehr!“ „Warum haben wir uns nur für diese Trekking-Tour angemeldet?“ frage ich mich und Taku immer öfters.

Seit Stunden bietet uns ein sehr trostloser Anblick. Am Start unserer Wanderung in Hsipaw gab es rund um das Dorf wenigstens noch endlos weite Wassermelonenfelder. Aber mittlerweile liegen so weit wir sehen können verbrannte Felder vor uns. Die Sonne brennt vom Himmel und es hat sicher über 40 Grad, aber weit und breit ist kein schattenspendender Baum in Sicht. Wir gehen auf einer „Straße“ mit rötlichem Sandstaub – mir kommt es wie eine Ewigkeit vor, als wir in der Hitze auch noch bergauf gehen müssen.

Abgebrannte Felder

Wie durch ein Wunder befindet sich neben der Straße plötzlich ein Wasserrohr mit kaltem Wasser. Taku will seinen Kopf darunter halten, aber unser Guide rät ihm davon ab! In Myanmar sagt man nämlich, dass man von kaltem Wasser am Kopf krank wird und Fieber bekommt. Schon möglich bei dem großen Temperaturunterschied. Die Abkühlung ist sehr angenehm, aber sich zu säubern bringt nichts, denn unser staubiger Weg ist noch nicht zu Ende. Die ursprüngliche Farbe meiner Schuhe ist gar nicht mehr zu erkennen, denn sie tarnen sich in demselben rotbraun wie es die Sandstraße hat. Diese „Tarnung“ reicht bis zu den Knien.

Nachdem wir stundenlang keiner Menschenseele begegnet sind, sehen wir plötzlich doch einen Bauern der seinen Acker mit seinem Ochsen gepflügt hat. Auch er begibt sich in der größten Mittagshitze scheinbar heimwärts. Während er am Ochsenkarren sitzt, müssen alle anderen Arbeiterinnen genau wie wir zu Fuß den staubigen Weg durch die Hitze gehen.
Da wird uns bewusst, dass wir es zwar bereuen können, diese Wanderung unternommen zu haben, aber wir werden morgen schon wieder zurück sein. Diese Frauen müssen tagtäglich auf Feldern ohne Schatten arbeiten und natürlich solche Wege gehen. Außerdem haben sie weder Wanderschuhe noch Rucksäcke – sie gehen mit Flip-Flops und müssen ihr schweres Werkzeug tragen.

Feldarbeiter in Myanmar

Nachdem wir einige Kilometern ohne jeglichem Schatten gemeinsam gehen, kommen wir an eine Wegkreuzung – hier hatte jemand erbarmen mit einem Baum. Und was für ein Baum! Dieser Baum ist so riesig, dass neben uns Touristen, unserem Guide und den Arbeiterinnen ohne Probleme noch mehr Personen im Schatten eine Pause machen könnten! Kaum haben wir uns gesetzt, verschnauft und Wasser getrunken, bieten die Arbeiterinnen UNS Zuckerl zur Stärkung an! Wir sind sehr gerührt. und haben noch eine kleine Packung Vollkornkekse aus Bangkok, die wir ihnen schenken. Diese teilen sie untereinander gerecht auf und das Päckchen inklusive Beschreibung wird sehr genau inspiziert, da offensichtlich ist, dass es nicht von hier ist. Unser Guide hat auch eine kleine Stärkung in Form von Mini-Muffins für uns – auch genug, um mit unseren Wegbegleiterinnen zu teilen. Wie es jeder europäischer Wanderer „lernt“ stecken wir natürlich die Verpackungen der verzehrten Zuckerl und Mini-Muffins brav in unseren Rucksack zurück. Dieses Verhalten wird von den Einheimischen ebenfalls sehr interessiert oder mit schiefem Blick beobachtet. Verstanden werden wir offensichtlich nicht, weil unsere Pausengefährtinnen lassen alle Verpackungen einfach liegen.

Nach dieser Pause starten wir die letzten Stunden unserer Wanderung, um an unser Ziel in ein Palaung Dorf zu kommen, in dem wir bei einer Familie übernachten werden. Die Landschaft ändert sich leider nicht, unser Weg führt uns quer durch abgebrannte Felder. Es liegt auch an der Jahreszeit, denn es ist das Ende der Erntezeit und wie bei uns vor 50 Jahren werden die Ernterückstände auf den Feldern einfach abgebrannt. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir nie einen Weitblick haben und alles in einem eigenartigen Dunst liegt. Die Asche dient in der nächsten Saison auch als Dünger. Wir fragen unseren Guide, warum sie die Wanderung durch so ein trostloses Gebiet planen, weil eigentlich ist Hsipaw ja berühmt für tolle Trekking-Touren. Die Antwort ist sehr traurig: Noch vor einem Jahr waren 90% auf unserer Wanderroute Wald! Es wurden also in kurzer Zeit riesige Mengen Holz gerodet, wenn man daran denkt wie groß und alt die Bäume hier schon waren. Jetzt wird alles fleißig mit Gemüse und Teeplantagen bewirtschaftet.

Langsam lässt die größte Hitze nach und wir gehen nachdenklich weiter über die Felder. Plötzlich doch noch ein wunderschönes Zeichen aus der Natur: ganz wild wachsen ein paar Amaryllis Blumen – in oranger Farbe passend zum Sonnenuntergang.
Sollen wir nicht besonders für die kleinen Schönheiten die Augen offen halten und dankbar sein?

Amaryllis Blume

 

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